
Gewalt bei Schülern und Jugendlichen ist häufig ein Hilfeschrei vernachlässigter Kinder mit schwierigem Elternhaus, so Dr. Gerd Müller bei einem Expertenforum in Heimenkirch.
Nach einer Vorführung der CrewConstruction mit Stefan Sauter über das Verhalten und die Reaktionen bei einem Angriff, bezog die Moderatorin Angelika Putsch das engagierte Publikum gleich in die Diskussion ein. Sofort kam die gezielte Forderung nach Frühförderung von Kindern. "Wir haben ein gutes Netzwerk in der Gemeinde aufgebaut, das jederzeit zur Verfügung steht, wie Schreiambulanz, Kinderschutzstelle und Beratungseinrichtungen" antwortete Bürgermeister Markus Reichardt. Er appelliert an jeden einzelnen Bürger seinen Handlungspielraum auszunutzen. Fördern und Fordern von Eltern und Kindern sei eine wichtige soziale Aufgabe, betont der Diplom Psychologe Rupert Membarth: "In die Rolle von Eltern kommt man unvorbereitet. Sie ist beglückend aber auch belastend. Erziehung ist harte Arbeit." Die Stärkung von Eltern und Schulsozialarbeit könnten eine Antwort sein. Sauter wies darauf hin, dass immer mehr Erziehungsaufgaben auf Erzieherinnen übertragen werden, die mit zu großen Gruppen bei geringen Gehalt häufig überfordert seien. Reichart analysierte, dass großer Erziehungsbedarf durch die Berufstätigkeit beider Elternteile und durch den Wegfall von Unterstützung durch die Großfamilie bestehe. Dies sei ein wachsender Aufgabenbereich der Kommune.
Jeder müsse lernen mit Aggressionen umzugehen, plädierte Müller, denn diese stecken mehr oder weniger in jedem Menschen. "Wir müssen uns selbst an der Nase nehmen", Sauter fordert hierfür Gefühlsunterricht: "Gefühle erkennen, bewerten und lernen wie man damit umgeht." Wie sich schwererziehbare Jugendliche durch den Umgang mit Tieren verändern, zeigte Angelika Putsch, Diplombiologin und Direktmarketing Fachwirtin, anhand eines Spots über ihre ehrenamtliche Arbeit. Im Saal, mitten unter den Besuchern, demonstrierten Hunde, Schafe und Gänse von "Therapieimpulse durch Tiere" eindrucksvoll, wie auch unterschiedliche Tierarten miteinander leben können. Durch ihre Anwesenheit, so auch Dr. Müller "hat dieser Abend eine besondere relaxte und geborgene Atmosphäre". Mit dem Einsatz von Haus- und Nutztieren fördert Elfi Schill auch verhaltensauffällig gewordene Jugendliche. Durch Beobachtung und Arbeiten mit den Tieren kann das soziale Lernen, das Selbstwertgefühl, Empathieempfinden und Sozialkompetenz gestärkt werden.
Angelika Putsch fasste die Forderung aller Teilnehmer zusammen. Vorbildfunktion spiele eine wichtige Rolle. Hinschauen und Eingreifen jedes einzelnen Bürgers und Zivilcourage sei dringend notwendig für das soziale Netzwerk.


