-

Sonntag
Sep 05th

von Guttenberg

Mit einem sportlichen Satz auf die Bühne erobert er sich die Sympathien der Menschen auf dem Rathausplatz in Kempten, noch bevor er den ersten Satz an die Zuhörer gerichtet hat. Die Botschaft ist klar: In Theodor von Guttenberg haben wir unseren jungen, dynamischen Politstar, den Deutschland in diesen wirtschaftlich schweren Zeiten so dringend braucht!

In freier Rede, immer wieder von Beifall unterbrochen, formuliert er in geschliffener Sprache, was den Menschen auf den Nägeln brennt. Im Kern geht es ums Aufmuntern. Miesmachen charakterisiert er als verantwortungslos. "Wem das Wasser bis zum Hals steht, der darf den Kopf nicht hängen lassen!" verkündet er sein oft zitiertes Bild. Es gilt, die Krise zum Neuanfang zu nutzen. Schon will der alte Trott wieder aufkommen, beobachtet er: Mit Milliardeneinsatz hat der Staat die Banken und Wirtschaftsunternehmen gerettet. Und schon wollen sich gescheiterte Manager mit Abfindungen und Bonuszahlungen in Millionenhöhe bedienen. Damit bringen sie das Unternehmertum in Misskredit. Während die Manager in kurzfristig steigenden Aktienkursen ihren Erfolg suchen, denken die wahren Unternehmer in Generationen stellt er klar. Sie führen Betriebe mit fünf, sechs Beschäftigten. Bauern und Handwerker sind die Unternehmer, um die sich die Politik kümmern muss. Kein Verständnis kann von Guttenberg dafür aufbringen, dass hart erarbeitetes und dabei versteuertes Eigentum beim Übergang an die nächste Generation mit übermäßiger Erbschaftssteuer belastet werden soll.

Der Wirtschaftminister würdigt die Aufbauleistung der Nachkriegsgeneration, beschört deren Aufbruchstimmung. Er beklagt das mangelhafte Verständnis für Soziale Marktwirtschaft. Ludwig Erhard fällt den meisten dazu noch ein, manche denken aber eher an Heinz Erhard und seine Späße. Sein Ministeramt übe er in Demut aus, bekennt von Guttenberg. Seine Aufgabe für die nächsten drei Wochen - bis zur Wahl - sieht er in der Arbeit an der Bewältigung der Wirtschaftskrise.

Als diplomatisch geschulter Gentleman erweist sich der Wahlkämpfer im Umgang mit den politischen Mitbewerbern. Persönliche Angriffe schaden dem Ansehen aller Politiker, gibt er zu bedenken. Mit Blick auf Fahnen schwenkende Vertreter der Piratenpartei äußert er seine Freude auf einen Austausch von Argumenten nach Beendigung seiner Rede.

In Norddeutschland bekomme er Wasser vorgesetzt. In Oberbayern Bier. Dass er - von seinem Kollegen und Freund Gerd Müller - ein Glas Milch kredenzt bekomme, passiere ihm zum ersten Mal, schmunzelt er und will auch gleich Allgäuer Bier probieren. Scherzend lobt er das Bier seiner oberfränkischen Heimat und anerkennt die hohe Qualität der Milch. Später darf sich der Gast zum Abschied über einen Korb mit Spezialitäten aus Gerd Müllers Wahlkreis freuen. Vom Bodenseeobstler bis zum Bergkäse aus den Allgäuer Hochalpen reicht die Palette. Aus der traditionsreichen Hutmacherregion Weiler/Lindenberg erhält der 38jährige von Gerd Müller einen passgenauen Sommerhug. Strahlend, geradezu wie ein sunny boy, posiert er damit geduldig für die Fotografen.

Selbst bei einem Regenschauer bleibt der Rathausplatz proppenvoll. Wie zur Bestätigung des sich ausbreitenden Optimismus verziehen sich zu Ende der fast einstündigen Rede die grauen Wolken. Zum Bad des Prominenten in der Menge bricht die Sonne durch und taucht den Platz in gleißendes Licht. Darüber wölbt sich der Himmel in strahlendem Weiß und Blau.

 

 

 

Aktuelle Termine

Keine aktuellen Veranstaltungen.

Statements

team_marlies_bernsenMarlies Bernsen

"Ich mache mit, weil ich mehr über die Politik erfahren möchte und weil ich mich sozial engagieren möchte."

www.gerd-mueller.de

web4

zur Jugendbefragung

veranstaltungen